D’r Ulm’r isch ebbe derb
Treffpunkt der Stararchitekten
Luxus-Tiefgarage mit Museum
Seit 2004 schon residiert die Zentralbibliothek in der Glaspyramide des hochdekorierten Kölner Architekten Gottfried Böhm. Schon einige Jahre davor wurde der gleißend weiße Rundbau des New Yorker Stararchitekten Richard Meier eröffnet, das „Stadthaus“ mit Café, Touristikzentrale und Kulturräumen.
Bald soll auch das letzte Kunstwerk eröffnet sein: ein Bau, der an einen lang gezogenen Eisberg erinnert, gedacht für Kaufhaus und Restaurant. Entworfen hat ihn das Berliner Büro Stephan Braunfels, das für Regierungsbauten an der Spree verantwortlich war. Der neu entstandene Hans-und-Sophie-Scholl-Platz lehrt die lärmende Durchgangsstraße das Flüstern, und unter allem erstreckt sich „Deutschlands schönste Tiefgarage“, so Gunter Czisch: mit rotem Teppich für die Fußgänger, „Drive-through“-Ausstellung zur Stadtgeschichte und Toiletten wie im Luxushotel.
Nein, sagt der Finanzbürgermeister, weder der Baulärm noch der Etat zerrten an seinen Nerven. Die beruhigenden Fakten trägt er vor wie der Klassenprimus das Einmaleins: 40.000 der 120.000 Ulmer sind im arbeitsfähigen Alter, und die Stadt bietet nahezu 80.000 Arbeitsplätze. Die Pendler, dazu eine Million Menschen aus dem Umland und fast eine halbe Million Touristen pro Jahr stärken die Konsum- und Dienstleistungsbetriebe. Außerdem bietet Ulm die Infrastruktur für umsatzsteigernde Großveranstaltungen wie Kirchentag, Leichtathletikmeisterschaften, Großkonzerte. Die Arbeitslosenquote liegt mit sechs Prozent deutlich unter dem zweistelligen Bundesdurchschnitt. Ulms Wirtschaftsstärke liegt seit Jahren unter den Top 20 bundesweit. Ulm ist eine starke Marke. So. Jetzt muss er aber los.
Czisch ist nervös wegen der Rallye. Siebzig Oldtimer starten in wenigen Stunden vom Münsterplatz aus über Regensburg, Linz und Bratislava nach Budapest. Und er fährt mit, im 280 SL Pagode eines Sponsors, und muss noch packen. „Raten Sie, wie lang es gedauert hat, das Rahmenprogramm zu organisieren und grenzübergreifende Formalitäten zu regeln?“, fragt er und antwortet, Richtung Ausgang eilend: „Nur sechs Monate! Wir Ulmer sind halt schnell. Und gut im Networking.“
Das Netz, das den Balkan an Land gezogen hat, wird am schwäbischen Donauufer geknüpft, entlang der mittelalterlichen Stadtmauer. Seit 1998 lädt die Doppelstadt alle zwei Jahre Künstler, Handwerker und Politiker der Anrainerstaaten zehn Tage im Juli zum internationalen Donaufest. Ein Kilometer der Jogging- und Flaniermeile wird zum Biergarten mit Fressbuden, Polkabühnen, Trachtenmodeständen. Kultur und Kulinarisches sind Hauptakte, im Nebenprogramm lernen Unternehmer und Politiker, Gastgeber und Besucher, einander, ihre Projekte und Pläne kennen.
polis