Griechenland als Musterland der Corona-Bekämpfung

kassandra

Griechenland war auf die Pandemie vorbereitet
Der Virologen Sotiris Tsiodras wurde von der Regierung schon Ende vergangenen Jahres zum Corona-Sonderberater ernannt. Als Ende Februar die erste Griechin positiv auf Corona getestet wurde, ließ die Regierung auf Tsiodras‘ Rat sofort alle Karnevals-Umzüge verbieten. Früher als in anderen Ländern wurden in Griechenland Schulen und Unis, Restaurants und Cafes geschlossen. So blieb die Zahl der Neu-Infektionen von Anfang an niedrig. Und wer von heute auf morgen die Arbeit verlor, bekam das frisch eingeführte Kurzarbeitergeld – 800 Euro pro Person.

Seit fünf Wochen regelt eine Ausgangssperre, dass die Griechen nur noch in Ausnahmefällen ihre Wohnung verlassen dürfen.

Die Ausgangssperre wird deshalb am kommenden Montag gelockert. Ab dem 4. Mai dürfen Griechen also wieder ohne besonderen Grund ihre Wohnung verlassen, aber es gelten weiter strenge Regeln. Strände bleiben geschlossen; auch Restaurants und Einkaufszentren.

Doktor Tsiodras, der Chef-Virologe Griechenlands, belässt es lieber bei einer nüchtern vorgetragenen Mahnung: „Wir dürfen jetzt nicht fahrlässig werden“, sagt er. „Sonst könnten wir alles zunichte machen, was wir bisher erreicht haben“. Worte, die den Griechen bei jedem Gang vor die Haustür im Hinterkopf bleiben.

 

 

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 29. April 2020 um 07:45 Uhr.
Thomas Bormann, ARD Istanbul, 29.04.2020 05:41 Uhr

140 Jahre Albert Einstein

140 Jahre Albert Einstein

polis

„Die Stadt der Geburt hängt dem Leben als etwas ebenso Einzigartiges an wie die Herkunft von der leiblichen Mutter. Auch der Geburtsstadt verdanken wir einen Teil unseres Wesens. So gedenke ich Ulm in Dankbarkeit, da es edle künstlerische Tradition mit schlichter und gesunder Wesensart verbindet.“

(1879-1955) He was the pre-eminent scientist in a century dominated by science. The touchstones of the era–the Bomb, the Big Bang, quantum physics and electronics–all bear his imprint

 

Einstein: Meine Relativitätstheorie

Einstein: Meine Relativitätstheorie

kassandra

Originalton aus dem Jahr 1924, Nobelpreisträger Albert Einstein schildert den Weg zur Formulierung der Relativitätstheorie.

 

Transkript
„Von der Jugend an war mein ganzes wissenschaftliches Streben auf die Vertiefung der Grundlagen der Physik gerichtet. Viele sonstige Gesichtspunkte und Bedürfnisse im engeren Sinne wirkten nur sekundär auf mich. Von diesem Streben und seinem bisherigen Resultat gebe ich hier einen kurzen Bericht, in dem ich alles weglasse, was ich mir gelegentlich oder gewissermaßen zufällig beschäftigt.

Mein erstes Problem lag in der scheinbaren Unvereinbarkeit des Gesetzes der Lichtausbreitung bzw. der Lorentzschen Theorie mit der erfahrungsmäßig gültigen Gleichwertigkeit aller Inertialsysteme. Nach siebenjährigem vergeblichen Nachdenken1898 bis 1905 kam mir plötzlich die Lösung mit dem Gedanken, dass unsere Begriffe und Gesetze über Raum und Zeit nur insofern Geltung beanspruchen dürfen, als sie mit den Erlebnissen in klaren Beziehungen stehen und dass die Erfahrungen sehr wohl dazu führen können, dass wir diese Begriffe und Gesetze abändern.

Durch eine Revision des Begriffes der Gleichzeitigkeit und der Gestalt starrer Körper gelangte ich so zur speziellen Relativitätstheorie, deren vierdimensionale mathematische Formulierung allerdings erst drei Jahre später von Minkowski gefunden wurde. Bei dem Versuche, das Gesetz der Gravitation dieser speziellen Relativitätstheorie einzugliedern, drängte sich mir Ende 1907 die Überzeugung auf, dass der Raumzustand eines Gravitationsfeldes identisch sei mit dem Zustand eines von einem Gravitationsfelde freien Raumes, wenn dieser nur auf ein beschleunigtes Koordinatensystem wie dem der plastischen Mechanik bezogen wird. Diese Erkenntnis, kurz als Äquivalenzprinzip bezeichnet, in Verbindung mit der natürlichen Tendenz, das Relativitätsprinzip zu verallgemeinern, führte mich zur allgemeinen Relativitätstheorie, deren Fundament mir Ende 1915 widerspruchsfrei belegt werden konnte. Die Hauptschwierigkeit lag in dem Versagen der Euklidischen Geometrie und in der Schwierigkeit, ohne Zugrundelegung dieser durch physikalische Gesetze doch einen klaren Sinn zu geben.

Das andere große Problem, mit dem ich mich seit etwa 1900 befasst habe, ist das der Strahlungs- und Quantentheorie. Angeregt durch Wiens und Plancks Forschungen erkannte ich, dass Mechanik und Elektrodynamik in einem unlösbaren Wiederspruch zu den Erfahrungstatsachen stehen und trug dazu bei, jenen Komplex von Ideen zu schaffen, der unter dem Namen Quantentheorie bekannt ist und der, insbesondere durch Bohr, zu großer Fruchtbarkeit sich entwickelt hat. Den Rest meines Lebens werde ich wohl der grundsätzlichen Klärung dieses Problems widmen, wie gering auch die Aussichten auf ein Erreichen dieses Zieles erscheinen möge.“

Quelle: Deutsches Rundfunkarchiv, 1924
Originalton Albert Einstein: Meine Relativitätstheorie.