D’r Ulm’r isch ebbe derb

Langzeitarbeitslose auf der Bühne

Thomas Dentler, der unter der Eiche den derben Ulmer mimt, ist Mitglied im Förderverein seines Theaters. Zum Ensemble gehören auch 17 Langzeitarbeitslose. Die Bretter, die die Welt bedeuten, sind ihr berufliches Sprungbrett. „Sie lernen Atemtechnik, klares Sprechen, selbstbewusstes Auftreten, Techniken, die auch bei Bewerbungsgesprächen helfen“, sagt Dentler. Die Agentur für Arbeit und die Stadt hat die Idee überzeugt; sie bezahlen den Lohn, 1,50 Euro pro Stunde.

„Wenn wir eine private Initiative gutheißen, dann stehen wir dazu und verwirklichen sie zügig“, sagt Finanzbürgermeister Gunter Czisch, CDU. Er hat sich, wie seine parteilosen Kollegen Sabine Mayer-Dölle (Kultur, Bildung und Soziales) und Alexander Wetzig (Stadtentwicklung und Umwelt) bei der Bürgerschaft für das Amt beworben und wurde für acht Jahre ernannt. Zwei hat er noch vor sich. Er rutscht auf dem Drehstuhl hin und her, zupft am grün gestreiften Hemdsärmel und stößt Zigarettenrauch als Seufzer aus.

Presslufthammer dröhnen vor dem Rathausfenster, Metalle dreschen aufeinander ein: Gunter Czisch hat einen Logenplatz beim Spektakel der Verwandlung von Ulms Mitte in die „Neue Mitte Ulm“. Seit Ende 2006 sind die benachbarten historischen Architekturjuwelen Rathaus und Münster nicht länger von tristen Nachkriegsbauten umringt, sondern funkeln mit drei Baudenkmälern der Gegenwart um die Wette. „Arbeiten der besten Architekten der Welt“, sagt Czisch.

polis