Warum wird Ostern nicht gemeinsam gefeiert?
Warum fällt das Osterfest bei allen Christen nicht immer zusammen?
Die Unterschiede bei den Osterterminen zwischen westlichen (katholischen und protestantischen) und den meisten östlichen (orthodoxen) Kirchen sind historisch und kalendarisch bedingt und führen immer wieder zu Diskussionen über eine mögliche Vereinheitlichung. Im Kern beruhen diese Differenzen auf zwei Hauptfaktoren: den verwendeten Kalendern und den unterschiedlichen Methoden zur Berechnung des Osterdatums.
Folgende Faktoren können es beeinflussen:
- Das Erste Konzil von Nizäa im Jahr 325 n. Chr. legte fest, dass Ostern immer am ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond nach dem Frühlingsanfang gefeiert werden soll. Damit wollte man eine einheitliche Regelung schaffen, die von der jüdischen Berechnung des Pessachfestes unabhängig ist. Diese Auflage wird im Westen seit längerer Zeit nicht mehr berücksichtigt. Sonst hätten alle Christen öfter am selben Tag gefeiert. Dieser Faktor verursacht den unterschiedlichen Termin, wenn der Unterschied eine Woche später beträgt.
- Doch während die westliche Christenheit im 16. Jahrhundert den gregorianischen Kalender einführte, den Papst Gregor XIII. zur Korrektur des damals ungenauen julianischen Kalenders eingeführt hatte, hielten die meisten orthodoxen Kirchen am julianischen Kalender fest. Dieser läuft gegenüber dem gregorianischen Kalender aktuell 13 Tage nach, was den Frühlingsanfang und somit auch den Ostertermin beeinflusst.
- Neben den Kalenderdifferenzen gibt es auch unterschiedliche Herangehensweisen an die Berechnung. Während die westlichen Kirchen den Frühlingsanfang fest auf den 21. März datieren (im gregorianischen Kalender), nehmen die orthodoxen Kirchen den Frühlingsanfang gemäß dem julianischen Kalender an. Zudem berücksichtigen einige orthodoxe Traditionen, dass Ostern nicht vor dem jüdischen Pessachfest liegen sollte. Diese zusätzlichen Bedingungen führen dazu, dass der orthodoxe Ostertermin meist später liegt als der in den westlichen Kirchen.
- Als die Kirche von Griechenland im Jahr 1924 den Kalender um 13 Tage korrigiert hatte, wurde beschlossen – aus Rücksicht auf andere orthodoxe Kirchen (Jerusalem, Russland, Serbien, Polen, Tschechien u. Slowakei, Georgien, Ukraine, Estland, Hl. Berg Athos), die das Kirchenjahr noch nach dem alten Kalender, dem julianischen, gestalten – nur den Termin für das Osterfest danach zu bestimmen. Es gilt der o. g. Modus jedoch mit falscher Festlegung des Frühlingsanfangs, d. h. 13 Tage später, so dass alle orthodoxen Christen weltweit am selben Sonntag Ostern feiern. Aus diesem Ausgangspunkt, indem der Frühlingsanfang 13 Tage später terminiert wird, feiern wir meist Wochen auseinander.
Die unterschiedlichen Termine führen nicht nur zu einer Zersplitterung der christlichen Welt bei der Feier des zentralen Festes des Glaubens, sondern auch zu logistischen und kulturellen Herausforderungen. In einigen Jahren fallen die Termine jedoch zufällig zusammen, wie 2017 und wieder 2025.
Die Kirchen von Konstantinopel, Alexandrien, Antiochien, Rumänien, Bulgarien, Zypern, Griechenland, Albanien, Finnland und die Syrisch-Orthodoxe Kirche feiern alle unbeweglichen Feste nach dem korrigierten Kalender. Die deutschsprachigen evangelischen und katholischen Kirchengemeinden in Griechenland feiern Ostern nach dem julianischen.
kassandra