SPD will digitale Schulbildung verbessern

SPD will digitale Schulbildung verbessern

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Mit dem Programm „Calliope“ können Kinder spielerisch lernen. Stadträte fordern für Ulmer Schulen ein Pilotprojekt.

Die SPD-Fraktion fordert die Stadt auf, ein Pilotprojekt an Ulmer Schulen zu starten: Calliope, ein vom Bundeswirtschaftsministerium unterstütztes Programm, ermögliche Schulkindern ab der dritten Klasse einen spielerischen Zugang zur digitalen Welt. „Wir sind verantwortlich dafür, dass unsere Kinder an den Schulen das nötige Rüstzeug bekommen, um souverän mit der Digitalisierung umgehen zu können“, wird Stadtrat Georgios Giannopoulos in einer Pressemitteilung der Fraktion zitiert.

Im internationalen Vergleich liege Deutschland bei der digitalen Bildung und der Ausstattung zurück, schreibt die SPD. Deswegen müsse man Kinder und Jugendliche möglichst früh spielerisch auf die digitale Welt vorbereiten und ihnen den Zugang zu digitaler Technik, zum Programmieren und Entwickeln ermöglichen, „damit sie von Konsumenten des Digitalen zu kreativen Machern werden können“. Calliope eigne sich dazu, Kindern ein Verständnis von elektronischen Schaltungen, moderner Sensorik und Programmierung zu vermitteln und könne im Rahmen eines Informatikcurriculums, aber auch zur Unterstützung von bestehenden Unterrichtsinhalten wie im Sachkundeunterricht verwendet werden, schreibt die SPD.

http://www.swp.de/ulm/lokales/ulm_neu_ulm/spd-will-digitale-schulbildung-verbessern-15373230.html

Verzicht auf Informatik ist ein Rückschritt

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Der Vorsitzende des SPD-Ortsvereins im Ulmer Westen, Georgios Giannopoulos, kritisiert scharf, dass die baden-württembergische Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) die Einführung des Fachs Informatik an den allgemeinbildenden Schulen im Schuljahr 2017/18 gestoppt hat. „Alle Welt und insbesondere die CDU predigen ständig die Vorteile der Digitalisierung“, sagt Giannopoulos, der selbst in der IT-Branche arbeitet. „Da bedeutet der Verzicht auf das Fach Informatik geradezu einen Rückschritt.“

Der Ulmer Stadtrat zitiert den Informatiklehrerverband, der erklärt hat, wer in einem Hochtechnologieland wie Baden-Württemberg die Schulinformatik nicht endlich voranbringe, säge den Ast ab, auf dem man sitze. „Dem kann ich nur beipflichten.“ In der weltweiten Konkurrenzsituation könne der Wohlstand nur durch eine Spitzenposition in Zukunftstechnologien langfristig gesichert werden. Den Schulen komme dabei eine entscheidende Bedeutung bei der Grundorientierung der Kinder in Richtung der digitalen Technik zu. Giannopoulos sieht sich damit auch auf einer Linie mit dem Arbeitgeberverband des Landes. Dessen Präsident hatte zur Streichung des Fachs ebenfalls von einer falschen Weichenstellung gesprochen.

Hintergrundinfo:
Die Pläne für Informatik als Pflichtfach wurden noch unter SPD-Kultusminister Andreas Stoch gefasst. Zusätzlich zu einem „Basiskurs Medienbildung“ in der 5. Klasse sollte in allgemeinbildenden Schulen in der Klassenstufe 7 ein verbindlicher „Aufbaukurs Informatik“ mit einer Stunde pro Woche angeboten werden. In den Klassenstufen 8 bis 10 sollte ein neues Fach „Informatik, Mathematik, Physik“ (IMP) folgen. Für Hauptschulen und Werkrealschulen war ein Wahlfach Informatik geplant.

Kinder- und Zeitbeerfest im Klosterhof Söflingen

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Die Söflinger im Wetterglück: Beim Kinder- und Zeitbeerfest blieb es weitgehend trocken. Der Vorstadtverein fordert die Sanierung der Meinloh-Halle.

Die Söflinger haben bei den Festen auf dem Klosterhof wegen der benachbarten Kirche Mariä Himmelfahrt einen direkten Draht nach oben und daher meist gutes Wetter. So jedenfalls lautete am Samstag die Einschätzung von Hans-Dieter Eibelshäuser vom Vorstadtverein. Der Dachverein für 27 Vereine hatte den Söflinger Sommer im neuen Format an zwei Wochenenden zum zweiten Mal ausgerichtet. Nur zum Auftakt beim Kinderfest regnete es mal kurz.

Vor allem das Zeitbeefest am Abend blieb dann trocken, so dass es sich nach Zählung der Organisatoren 1800 Gäste auf den Bierbänken im Klosterhof gemütlich machten. Der MV Eggingen spielte dabei sogar ein bisschen Rock und Blues und legte ein Schlagzeugsolo ein, so dass alle Generationen auf ihre Kosten kamen. Der süffige Zeitbeerwein fand gleichzeitig reißenden Absatz.

Das Zeitbeerfest steht traditionell unter der Regie des Liederkranzes, betonten Eibelshäuser und sein Mitstreiter und SPD-Stadtrat Georgios Giannopoulos. Der Vorstadtverein sehe es aber als Aufgabe an, die Einzelvereine, in denen es nicht immer ausreichend Nachwuchs gebe, auch mit Manpower zu unterstützen.

Die Macher vom Vorstadtverein betrachten es als Vorteil, dass die Meinloh-Halle nun wieder als Rückzugsraum bei schlechtem Wetter zur Verfügung steht. Beim Kinderfest war dort eine Hüpfburg aufgebaut, außerdem gab es Kaffee und Kuchen. Die zuvor einquartierten Flüchtlinge sind bereits Ende Mai ausgezogen.

Aus Sicht des Vereins ist die Renovierung der Meinloh-Halle inzwischen überfällig. Eibelshäuser: „Unser nächstes Ziel ist die umfassende Sanierung der Halle.“ Dabei könne es keinesfalls sein, dass lediglich der Holzboden der auch für den Schulsport verwendeten Halle hergerichtet wird. Ein Gutachter, der zudem über einen Handwerksbetrieb verfügt, habe dies abgelehnt: Da könne nur Pfusch dabei herauskommen. Außerdem seien Sanitärleitungen nicht ausreichend dimensioniert.

Am Samstag trat dies in den Hintergrund, weil viele Kinder auf dem Forum und in der Halle ihren Spaß hatten. Die Jugendfeuerwehr führte Feuerwehrautos vor und sorgte dafür, dass die Zirkusschule Harlekin aus Treffensbuch in Aktion treten konnte: indem ein rotes Vertikalband hochgezogen wurde. Daran zeigten die Mädchen im Alter von 10 bis 14 Jahren ihre Kunststücke. Es gab auch einen Bobbycar-Parcours, bei Zielübungen mit der Feuerwehrspritze herrschte großer Andrang.

Auf dem Klosterhof wurde ansonsten wieder eine große gastronomische Bandbreite von Crepes bis zur Feuerwurst geboten. Ebenfalls im Einsatz: die Kronenbrauerei.

Digitale Stadt: Töne im Rathaus

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Die Digitalisierung und die digitale Stadt dürfen nicht nur im Rahmen von technischen Ideen und Umsetzungen betrachtet werden. Ein Überbau, eine Meta-Ebene, mit einer soziologisch-philosophischen Brille ist notwendig. Die Mensch-Maschine mit Chancen, Risiken und Nebenwirkungen braucht eine gesellschaftliche Debatte, auch in und mit der Kommune, die Anbieter ist.

Leitartikel zum Thema digitale Stadt: Neue Töne im Rathaus

Im Ulmer Rathaus ist unter OB Gunter Czisch die Digitalisierungseuphorie ausgebrochen. Die Stadt geht bei aller Kritik an Details den richtigen Weg. Ein Leitartikel von Lokalchef Hans-Uli Thierer.

Erik Wischmann ist einer der wachen Köpfe im Ulmer Gemeinderat. Siehe diese Woche, als neue, andere Töne zu vernehmen waren. Der unter Oberbürgermeister Gunter Czisch nun auch öffentlich ausgebrochenen Digitalisierungseuphorie – als Kämmerer agierte Czisch auf diesem Feld zwar auch schon entschlossen, jedoch eher im stillen Kämmerlein – begegnete der FDP-Stadtrat zusammen mit anderen Cracks auf diesem Gebiet wie Georgios Giannopoulos (SPD) oder Richard Böker (Grüne) mit kritischen  Bemerkungen.

Etwa jener, dass bei aller Notwendigkeit, in die Digitalisierung Geld und Zeit zu stecken und Hirnschmalz zu investieren, Safety und Security nicht unter die Räder geraten dürfen. Mithin beide Seiten des Sicherheitsaspekts: Jener des Datenschutzes, was heißt, dass mit dem Schatz aller bei der Stadt gespeicherten Informationen über ihre Bürger höchst sensibel und penibel umzugehen ist. Neben diesem virtuellen Schutz der Ulmer  galt die Bemerkung aber auch dem ganz praktischen, dem althergebrachten Sicherheitsaspekt.

Wischmann driftete dabei mal kurz ab in die weitere digitale Zukunft, ins Zeitalter des autonomen Fahrens. Dieser Begriff begegnet uns inzwischen zwar täglich, er ist medial hautnah. Andererseits ist das autonome Fahren uns noch so fern, weil den meisten das Vorstellungsvermögen fehlt, was Autos eines  schönen Tages ohne unser Zutun alles leisten können (sollen). Wischmann zeichnete also das Bild autonom  durch Ulm kurvender Autos. Und plötzlich fällt in der ganzen Stadt das Ampelsystem aus. Rauschen jetzt alle nicht von Menschenhand gelenkten Fahrzeuge ineinander?

Dieses griffige Beispiel lenkt den Blick auf einen der Kernstreitpunkte über den digitalen Wandel, der in Zukunft Debatten im Rathaus bestimmen wird.  Es ist die Auseinandersetzung  zwischen Skeptikern und  Visionären. Wobei man im Ulmer Gemeinderat  gerade in dieser Woche den Eindruck gewinnen konnte, dass viele Stadträte sich bemühen, die Balance zwischen beidem zu finden. Sie erkennen, dass es keine Alternative  zu finanzieller und geistiger  Investition in die Prozesse der Digitalisierung gibt. Sie möchten sich aber auch nicht ausliefern einer mittlerweile existierenden Industrie von Zukunftserklärern und Heilsverkündern.

Daran also ändert auch das digitale Zeitalter  nichts: Dass wie noch bei jedem tiefgreifenden technologischen oder gesellschaftlichen Wandel die Pessimisten auf die Optimisten treffen. Der Digitalisierungs-Pessimist zeichnet das Bild des total überwachten, kontrollierten Menschen, beherrscht von einer digitalen Diktatur. Der Optimist begegnet  diesem trostlosen Ende der Freiheit mit den hinter dem technologischen  Quantensprung steckenden Chancen. Endlich bekommen, zumindest theoretisch,  alle Menschen ein Instrument zur Hand, das ihnen Zugang zu Wissen, Bildung, Beteiligung ermöglicht.

Wie soll nun ein Stadtrat mit diesem Zwiespalt  umgehen? Am besten so wie am Mittwoch. Die Digitalisierung ist nicht aufzuhalten, wer sie abwehren möchte, wird unter ihre Räder geraten. Es ist besser, Wege auszukundschaften, Mittel und Methoden zu  finden, um die Digitalisierung der Stadtgesellschaft zu gestalten, als von ihr gestaltet zu werden. Was dabei hilft? Vielleicht eine uralte Tugend: der kluge Menschenverstand. Ihn wird auch die Digitaliserung nicht beseitigen.