Steinskulptur in Ulm: Der Riese aus der Wiese

Steinskulptur in Ulm: Der Riese aus der Wiese

polis

Ulm hat derzeit großen Besuch: Ein steinerner Riese steigt aus dem Boden am Donauufer. Er reißt seinen Mund auf, als würde er schreien. Doch obwohl er böse dreinblickt, hat er gute Absichten.

Sein Mund ist aufgerissen zum stummen Schrei, während er mit ganzer Kraft die Erdoberfläche nach oben stemmt: In Ulm steigt zurzeit ein riesiger Mann aus dem Boden.

Wer den Giganten mit den zornigen, zusammengekniffenen Augen zum ersten Mal erblickt, fühlt sich fast wie in einen Horrorfilm versetzt. Doch er will den Menschen nichts Böses, im Gegenteil: Mit seiner Steinfigur will der ungarische Künstler Ervin Hervé-Lóránth ein Zeichen gegen Unterdrückung und für Freiheit und Humanismus setzen.Die temporäre Installation mit dem passenden Namen „Aufgerissen“ stand vor einigen Wochen noch in Budapest. Hier fand 1956, am 23. Oktober, der heute ein Nationalfeiertag ist, ein großer Volksaufstand statt. Die Menschen forderten den Abzug der sowjetischen Truppen, die Bildung einer neuen Regierung, bürgerliche Freiheitsrechte, Parlamentarismus und nationale Unabhängigkeit.

Der Riese wurde von Ervin Hervé-Lóránth für die Art Market Budapest 2014 angefertigt – einer internationalen Messe für zeitgenössische Kunst. Jetzt ist er in Deutschland. Noch bis Ende November ist er am Metzgerturm am Donauufer in Ulm zu sehen.

Hier soll die Skulptur an die Geschehnisse des Jahres 1989 erinnern, als es vor allem die ungarischen Politiker waren, die eine Öffnung des Ostblocks einleiteten, wie die Südwest Presse Tamás Szalay vom Ungarischen Kulturinstitut Stuttgart zitiert. Vor 25 Jahren öffnete Ungarn seine Grenze zu Österreich und leistete damit einen wichtigen Beitrag zur Wiedervereinigung.

Zwei Tage lang Kirchweihfest im Klosterhof Söflingen

Zwei Tage lang Kirchweihfest im Klosterhof Söflingen

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Ein schöneres Wetter hätten sich die Söflinger für ihr Kirchweihfest nicht wünschen können. Die Sonne lachte über dem Klosterhof. Auch der verkaufsoffene Sonntag fand regen Zuspruch.

Ein Augenschmaus, der besonders Touristen beim Söflinger Kirchweihfest die Kameras zücken ließ: Doch die Frauen und Männer, die sich am Samstagnachmittag vor der katholischen Pfarrkirche in Dirndln, beziehungsweise Lederhosen und bunten Westen trafen, feiert ihr eigenes Fest. Die Neu-Ulmerin Susanne van Dejk, Mitglied im Söflinger Zitherverein, und Justin van Dejk aus Detroit in den USA schlossen in dem Gotteshaus ihren Bund fürs Leben. Die Hochzeitsgäste waren dem Wunsch des Paares gefolgt und in Trachten zur Trauung erscheinen.Während sich der Brautzug also in Richtung Gotteshaus bewegte, herrschte im Forsthaus bereits reges Leben. Die drei darin beheimatenen Vereine, der VdK im Erdgeschoss, der Liederkranz im Stockwerk darüber und der Musikverein Söflingen/Stadtkapelle Ulm unterm Dach, hatten ihre Vereinsräume wieder in Besenwirtschaften verwandelt. Deftiges wie Blut- und Leberwurst, Kassler mit Sauerkraut, Vesper-, Wurst- und Käseteller oder hausgemachte Gulaschsuppe wurde aufgetischt. Selbstverständlich auch jede Menge Kuchen, den die Vereinsfrauen selbst gebacken hatten. Für musikalische Unterhaltung kamen Mitglieder des Musikvereins auf. Nachmittags bis in die frühen Abendstunden hinein spielte eine neunköpfige Blechbläser-Kapelle auf. Anschließend gab’s Alpenländisches, präsentiert von den fünf „Oberkrainern“.

Ebenfalls gut bewirtet wurden alle, die – immer am Seil entlang, das vom Forsthaus aus ins Schulgebäude führte – die Räume des Krippenvereins aufsuchten. Interessanter war aber die Schnitzkunst, die Mitglieder in ihren Räumen zusammengetragen haben. Weihnachtskrippen, liebevoll ausgestattete Requisiten und Figuren bis hin zu „Zwitscherkästen“ – Nistkästen also, die ein Schnapshaus samt Gläsern in ihrem Innern verbergen. Und Helmut Reischl, der Schnitzer vom Dienst, erklärte allen, die ihn darum baten, wie man in Ansätzen Schnitzen lernt.

In Sachen Besenwirtschaft war auch das Team der Katholischen Jungen Gemeinde aktiv. Sie betreibt das Don Bosco Haus, in dem die jungen Leute am Abend Würstchen und Leberkäse auftischten, selbstgemachten Kartoffelsalat, Wurst- und Schmalzbrot. Gestern Vormittag ging es mit Weißwurstfrühstück samt Bier im Freien gleich weiter.

Am nördlichen Ende des seiner zurückhaltenden und in die Jahre gekommenen Attraktionen wegen heimelig wirkenden Rummelplatzes stand, wie jedes Jahr, das Rundzelt der D’r Sevelinger Bauza. Suser, Wein und Bier wurden für die meist im Freien sitzenden Gäste ausgeschenkt. Zu essen gab’s auch Flamm- und Zwiebelkuchen.

Der verkaufsoffene Sonntag ist wohl der älteste in Ulm. Dass die Söflinger Läden am Nachmittag des Kirchweihfestes öffnen dürfen, hatten sich die Ratsherrn der bis 1905 selbstständigen Gemeinde anlässlich der Eingemeindung nach Ulm festschreiben lassen. So standen auch gestern Nachmittag die meisten Geschäfte rings um den Gemeindeplatz offen. Glücksräder drehten sich. Rabatte zwischen 10 und 30 Prozent auf die Waren wurden gewährt; die Volksbank verschenkte sogar Sonnenhüte. Auch der Restaurant- und Hotel-Ausstatter Hogaka an der Magirus-Deutz-Straße war mit von der Partie und schenkte Kaffee und Espresso aus.

Der wertvollste Gewinn winkte aber im Bettenhaus Haarer, das gerade sein 125-jähriges Bestehen feiert. Wer das Gewicht loser Eiderdaunen – Daunen der Eiderente, die an den Küsten der Nordmeere lebt – am besten schätzte, der durfte eine Eiderdaunen-Einziehdecke im Wert von 4000 Euro mit nach Hause nehmen.

Söflingen: Auf der Suche nach sich selbst

Söflingen: Auf der Suche nach sich selbst

polis

Lange galten die Söflinger in unverbrüchlicher Hassliebe zur Gesamtstadt als die besseren Ulmer. Doch der Lack ist ab. Die Söflinger haben eine Identitätskrise. Wie, bitteschön, soll man damit klarkommen, draußen im Klosterhof?

Wenn sie so um den Tisch herum dasitzen, die Vertreter von sage und schreibe 25 Söflinger Vereinen, dann ist das eine Demonstration der Macht. So wie jetzt bei der Hauptversammlung ihres Dachverbands, des vereinigten Vorstadtvereins Ulm-Söflingen. Dieser ist eines der vielen Gremien, die der verstorbene Großsöflinger Udo Botzenhart zu Stärke und Ruhm geführt hat, bayerisches Motto, schwäbisch abgewandelt: Mir senn mir.

Aber: Der Lack ist ab. Immer öfter heißt es: Wer sind wir eigentlich? Lange galten die Söflinger in unverbrüchlicher Hassliebe zur Gesamtstadt als die besseren Ulmer. Vorbildlich selbst organisiert. So hat man es gern. Jetzt klingt unterschwellig ein angeknackstes Selbstvertrauen durch. Die Söflinger fühlen sich vermutlich gerade wegen dieser Einzigartigkeit ein bisschen unter Wert verkauft. Vernachlässigt. Sie scheinen sogar ein bisschen beleidigt zu sein, wobei da ein Anflug von Selbstmitleid mitschwingt. Unglaublich. Das zeigt leider gleichzeitig: Sie haben die Dinge offensichtlich nicht mehr in der Hand

Hat man sich etwa zu lange verlassen auf den Stolz der Vorstadt gegenüber den anderen, hochgekommenen Stadtteilen? So sieht es aus. Und es wird nicht besser dadurch, dass der große Ehrenvorsitzende Botzenhart die Seinen verlassen hat. Aber das ist nur die emotionale Seite. Und dass der Vorstadtverein zuletzt nicht mehr die kräftigen Zugpferde an seiner Spitze hatte, das ist nur die persönliche Seite. Viel entscheidender ist die strukturelle. Denn das Leben um Söflingen herum hat sich geändert. Nachdem die Dörfer um Ulm herum aus der Eingemeindungswelle vor 40 Jahren gut ausstaffiert herausgekommen sind, hat das Ulmer Rathaus in den vergangenen Jahren die Stadträume als entscheidende Variable zur Organisation des Lebens entdeckt. Söflingen? Liegt irgendwo dazwischen.

Ausgerechnet Söflingen, die erste Eingemeindung der Stadt Ulm, die damit 1905 ein tolles Schnäppchen gemacht hat. So wird das jetzt wieder aufgebrüht, wenn die Altvorderen im Vorstadtverein noch nicht beglichene Rechnungen aus dem Eingemeindungsvertrag aufmachen. Das geschenkte Krankenhaus. Die fehlende Badeanstalt. Solche Sachen. Wie gesagt: Verletzter Stolz.

Nachvollziehbar. Bei der Neuordnung der Stadt ist Söflingen nämlich eingruppiert worden. Mit Dialogmodell und Verwaltungsreform gehört es heute zum so genannten Sozialraum West, der weniger traditionell gewachsen als Ausgeburt der bürgerbeteiligten Versorgungsstadt ist. Demnach zählt Söflingen zur Weststadt. Und Sprachrohr ist eine Regionale Planungsgruppe. Wie, bitteschön, sollte man damit klarkommen, draußen im Klosterhof?

Die Abgrenzung ist geradezu körperlich spürbar, wenn sich die Mitglieder im Vorstadtverein selbst hinterfragen. Bestandsaufnahme: In der Weststadt gibt es die AG West. Die kriegt viel Geld. Die hat ein Weststadthaus. Wo bleibt da die Vorstadt? So sagt der neue Vorsitzende Martin Ansbacher: „Was fehlt im Vergleich zur AG West, das ist eine Art Bürgerzentrum für Söflingen.“ Ein Bürgerhaus, untergebracht in einem entsprechend anständig sanierten Komplex aus Forsthaus und altem Schulhaus. Oha. Söflingen definiert sich neuerdings über andere.

Gleichzeitig bewirkt dieses vage Unbehagen, dass man den Zusammenhalt neu beschwört. Das zeigt der aktuelle Vorstandswechsel und das zwar mühsam, dafür aber repräsentativ zusammengesuchte Team. SPD-Stadtrat Ansbacher kann nicht bloß als Kommunalpolitiker, sondern auch als Kabarettist und Gelegenheitsmoderator gscheit schwätzen und das heißt: mitziehen. Die Vereine sollen dafür jetzt einzeln abgeklappert werden. Mit in seinem Team sitzt der knitze Optikermeister Rainer Baechelen mit kurzem Draht zum Söflinger Handel: „Wir müssen Söflingen gegenüber Ulm stärken!“ Hans-Dieter Eibelshäuser hält als Schulhausmeister Kontakt zur Stadt. Georgios Giannopoulos soll den Verein in die neuen Medien führen. Der stadtbekannte Radiomacher Marc Herrmann ist fürs Trommeln in der Öffentlichkeit da. Neben dem Verein hält sich der geschäftstüchtige Szene-Wirt Michael Freudenberg bereit, der mit seinem Biergarten den Klosterhof neu belebt hat und zum Beispiel einem Söflinger Weihnachtsmarkt etwas abgewinnen könnte, der Ansbacher vorschwebt. Und dann ist da noch die Meinloh-Schulleiterin Heike Veile-Selig, die sich eine Meinloh-Halle wünscht, die auch zu Veranstaltungen taugt, Wunschtraum: „Ein Konzertsaal – so was fehlt in Söflingen.“

Sie alle wollens wissen. Damit ist die Botschaft für Ansbacher klar: „Söflingen braucht eine politische Vertretung gegenüber der Stadt.“ Und das ist nicht die Regionale Planungsgruppe. Und keine AG West. Sondern ein „mutiger“ Vorstadtverein, in dem „keine parteipolitischen Süppchen gekocht“ werden, in dem CDU und SPD und FWG an einem Strang ziehen und natürlich auch die Grünen eingeladen sind – bloß dass man die halt mehr in Planungsgruppen verortet sieht.

Selbst wenn die Zeiten des Sozialraums Söflinger Art vorbei sein dürften, in denen es Gewohnheit war, die Dinge selber anzupacken, bevor man auf die Idee kommt, die Stadt zu fragen – die Voraussetzungen für eine Wiedererstarkung des Eigenlebens der Vorstadt sind gut. Der Stadtteil zieht junge Familien an, hat einen starken Sportverein, einen Wochenmarkt und die Strambe vor der Tür. Er hat dörflich-idyllische Ecken und ist doch großstädtisch genug, dass man sich über den Parkverkehr aufregen kann. Jetzt gilt es, „das zu beleben, was Söflingen zu bieten hat“, sagt Ansbacher.

Beispielhaft dafür steht das Meinloh-Forum, das es vor zehn Jahren zum 100-Jährigen der Eingemeindung gab, denn es steht heute meist ungenutzt leer. Für Ansbacher sichtbarstes Zeichen dafür, dass „das Zusammenspiel fehlt“. Daran wird jetzt gearbeitet. Und um das Forum zu bespielen, muss man ja nicht unbedingt Söflinger sein. Es könnte auch heißen: „Ulmer, kommt doch mal raus!“ Das ist doch mal ein ganz neuer Ansatz.

Schulterschluss für Söflingen

Schulterschluss für Söflingen

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Neue Aufstellung an der Spitze des Vorstadtvereins Söflingen: Vorsitzender ist jetzt Martin Ansbacher. Mit einem Team aus alten und neuen Gesichtern ruft er zu einem wieder stärkeren Einsatz für Söflingen auf.

Neu-Stadtrat von der SPD löst Alt-Stadtrat von der CDU ab: Zuletzt schwächelte der Vorstadtverein Söflingen, weil sein Vorsitzender anderweitig gebunden war – Christof Nagel, mittlerweile Ex-Stadtrat, war als Leiter im Berliner Abgeordnetenbüro von Annette Schavan und nun ihres Nachfolgers Waldemar Westermayer kaum abkömmlich. Seit bald einem Jahr lief deshalb die Suche nach einer Nachfolge; die ist nun gleich im Paket gefunden worden und auf der Jahreshauptversammlung am Donnerstag einstimmig gewählt worden.

Es übernimmt Martin Ansbacher, im Mai neu in den Ulmer Gemeinderat gewählt. Er ist in Söflingen groß geworden und dort verbandelt mit der TSG und dem KCC und außerdem Ortsvorsitzender der SPD im Ulmer Westen. Mit ihm packen im Vorstand an: Rainer Baechelen, Georgios Giannopoulos, Hans-Dieter Eibelshäuser, Radio-Mann Marc Herrmann als Pressewart und die altbewährten Kräfte Michael Kaupper und Dorle Ehrler.

Michael Karan, der den Laden als Stellvertreter zuletzt federführend zusammenhielt, und Ansbacher betonten, dass die Söflinger Vereine wieder stärker zusammenrücken, sich besser austauschen und engagieren sollten. Ansbacher formuliert das ausdrücklich politisch: „Söflingen braucht eine Vertretung gegenüber der Stadt“, dafür soll der Vorstadtverein „mutig“ einstehen. Ziele hat das neue Team auch schon formuliert: So soll „eine Art Bürgerzentrum“ her. Außerdem will man die eigentlich gute Infrastruktur besser nutzen, vor allem mit Blick aufs Meinloh-Forum. All das soll im Gespräch mit den Vereinen, dem Handel, der Schule entwickelt werden.

Komponist Marios Joannou Elia im Gespräch

Komponist Marios Joannou Elia im Gespräch

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Am 29. und 30. Mai 2015 wartet ein absolutes Highlight auf die Ulmerinnen und Ulmer. Der Münsterplatz wird Schauplatz des „Ulmer Oratoriums“. Ein Werk, das eigens für die Jubiläumsfeierlichkeiten von Marios Joannou Elia komponiert wird. Einen kleinen Einblick, was die Zuschauer in knapp einem Jahr erwarten wird, gab der Komponist in einem Interview, das während eines mehrtägigen Besuchs Elias in Ulm entstand.

Ein musikalisches Werk für eine Stadt oder für ein Bauwerk zu schreiben ist sicher eine große Herausforderung. Wie geht man so ein Projekt an?

Elia: Indem man ein Gefühl für die Gegebenheiten entwickelt. Ich beschäftige mich natürlich mit der Geschichte Ulms und des Ulmer Münsters, lese viel. Aber ohne eine persönliche Erfahrung, wie jetzt während meines Besuchs, wäre mir eine künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema nicht möglich.

Muss man das Münster sehen, um es in Musik ausdrücken zu können?

Es geht nicht nur um das Münster. Natürlich ist diese Kirche ein monumentales, beeindruckendes Bauwerk. Viel wichtiger ist aber, welche Bedeutung es für die Menschen vor Ort hat. Diese emotionalen Zusammenhänge auszudrücken, ist mein Anspruch. Und dafür ist es natürlich unerlässlich, mich, zumindest für kurze Zeit, als Teil in der Ulmer Gesellschaft zu bewegen.

Können Sie das genauer erklären?

Das Münster ist identitätsstiftend. Über verschiedene Generationen, Nationalitäten oder Glaubensrichtungen hinweg. Das haben alle Gespräche, die ich hier mit den Menschen geführt habe, gezeigt. Die Ulmer sind stolz auf ihr Münster, obwohl es die wenigsten wirklich kennen.

Wie das?

Natürlich hat wahrscheinlich jeder Bürger und jede Bürgerin das Münster schon einmal gesehen – von außen. Ich empfehle aber einen ausgedehnten Blick ins Innere. Dort befindet sich ein wahrer Kunstschatz. Exzellenz künstlerischen Schaffens, die zumindest in mir Ehrfurcht hervorruft.

Was hat Sie besonders beeindruckt?

Oh, da gibt es vieles! Ganz wunderbar fand ich die Büste von Pythagoras. Ich bewundere ihn und habe mir vor allem seinen Satz vom Gleichgewicht der Kräfte zu eigen gemacht – übertragen auf die Musik. Ihn jetzt im Ulmer Münster zu sehen, war Überraschung und Freude zugleich.

Was dürfen die Zuschauer denn im nächsten Jahr erwarten?

Mir war schnell klar, dass angesichts der Entstehungsgeschichte des Münsters als Bürgerkirche, nur ein partizipatorischer Ansatz in Frage kommen kann. Es werden deshalb einige Hundert Bürgerinnen und Bürger Ulms an den Aufführungen teilnehmen.

Und inhaltlich?

Ich hatte eingangs erwähnt, welch große Bedeutung das Münster für die Stadt und für die hier lebenden Menschen hat. Das Stück könnte eine Art „Roller-Coaster“ werden, eine emotionale Achterbahnfahrt. Wie wäre es, wenn das Münster nicht mehr da wäre? Dieses Szenario werde ich musikalisch entwerfen – um letztlich das Verbindende und Identitätsstiftende herauszuarbeiten.

Was erwartet uns musikalisch?

Es wird klassische Musik zu hören sein, wenngleich ich das Spektrum der Klänge deutlich weiter fasse als das, was man gemeinhin unter klassischer Musik versteht.