Einstein: Meine Relativitätstheorie

Einstein: Meine Relativitätstheorie

kassandra

Originalton aus dem Jahr 1924, Nobelpreisträger Albert Einstein schildert den Weg zur Formulierung der Relativitätstheorie.

 

Transkript
„Von der Jugend an war mein ganzes wissenschaftliches Streben auf die Vertiefung der Grundlagen der Physik gerichtet. Viele sonstige Gesichtspunkte und Bedürfnisse im engeren Sinne wirkten nur sekundär auf mich. Von diesem Streben und seinem bisherigen Resultat gebe ich hier einen kurzen Bericht, in dem ich alles weglasse, was ich mir gelegentlich oder gewissermaßen zufällig beschäftigt.

Mein erstes Problem lag in der scheinbaren Unvereinbarkeit des Gesetzes der Lichtausbreitung bzw. der Lorentzschen Theorie mit der erfahrungsmäßig gültigen Gleichwertigkeit aller Inertialsysteme. Nach siebenjährigem vergeblichen Nachdenken1898 bis 1905 kam mir plötzlich die Lösung mit dem Gedanken, dass unsere Begriffe und Gesetze über Raum und Zeit nur insofern Geltung beanspruchen dürfen, als sie mit den Erlebnissen in klaren Beziehungen stehen und dass die Erfahrungen sehr wohl dazu führen können, dass wir diese Begriffe und Gesetze abändern.

Durch eine Revision des Begriffes der Gleichzeitigkeit und der Gestalt starrer Körper gelangte ich so zur speziellen Relativitätstheorie, deren vierdimensionale mathematische Formulierung allerdings erst drei Jahre später von Minkowski gefunden wurde. Bei dem Versuche, das Gesetz der Gravitation dieser speziellen Relativitätstheorie einzugliedern, drängte sich mir Ende 1907 die Überzeugung auf, dass der Raumzustand eines Gravitationsfeldes identisch sei mit dem Zustand eines von einem Gravitationsfelde freien Raumes, wenn dieser nur auf ein beschleunigtes Koordinatensystem wie dem der plastischen Mechanik bezogen wird. Diese Erkenntnis, kurz als Äquivalenzprinzip bezeichnet, in Verbindung mit der natürlichen Tendenz, das Relativitätsprinzip zu verallgemeinern, führte mich zur allgemeinen Relativitätstheorie, deren Fundament mir Ende 1915 widerspruchsfrei belegt werden konnte. Die Hauptschwierigkeit lag in dem Versagen der Euklidischen Geometrie und in der Schwierigkeit, ohne Zugrundelegung dieser durch physikalische Gesetze doch einen klaren Sinn zu geben.

Das andere große Problem, mit dem ich mich seit etwa 1900 befasst habe, ist das der Strahlungs- und Quantentheorie. Angeregt durch Wiens und Plancks Forschungen erkannte ich, dass Mechanik und Elektrodynamik in einem unlösbaren Wiederspruch zu den Erfahrungstatsachen stehen und trug dazu bei, jenen Komplex von Ideen zu schaffen, der unter dem Namen Quantentheorie bekannt ist und der, insbesondere durch Bohr, zu großer Fruchtbarkeit sich entwickelt hat. Den Rest meines Lebens werde ich wohl der grundsätzlichen Klärung dieses Problems widmen, wie gering auch die Aussichten auf ein Erreichen dieses Zieles erscheinen möge.“

Quelle: Deutsches Rundfunkarchiv, 1924
Originalton Albert Einstein: Meine Relativitätstheorie.

Altkanzler Schmidt wollte Glasfaser-Spitzenreiter werden

Altkanzler Schmidt wollte Glasfaser-Spitzenreiter werden

kassandra polis

Quelle: WiWo – Jürgen Berke

Bereits Anfang der Achtzigerjahre wurde der Ausbau des Glasfasernetzes von der damaligen Bundesregierung geplant. Wäre der Plan umgesetzt worden, hätte Deutschland heute das beste Glasfasernetz der Welt.

Die sozialliberale Koalition unter Bundeskanzler Helmut Schmidt hat bereits Anfang der Achtzigerjahre beschlossen, alle alten Telefonleitungen durch schnellere Glasfaser zu ersetzen. Das geht aus bisher unveröffentlichten Dokumenten einer Kabinettssitzung vom 8. April 1981 hervor, die der WirtschaftsWoche vorliegen.

„Sobald die technischen Voraussetzungen vorliegen, wird die Deutsche Bundespost aufgrund eines langfristigen Investitions- und Finanzierungsplanes den zügigen Aufbau eines integrierten Breitbandglasfasernetzes vornehmen“, heißt es in einem Sitzungsprotokoll, das unter dem Aktenzeichen B 136/51074 im Bundesarchiv liegt. Wäre der Plan durchgezogen worden, könnte die Bundesrepublik heute das beste Glasfasernetz der Welt haben.

Fünf Wochen nach der Kabinettssitzung legte der damalige Bundespostminister Kurt Gscheidle (SPD) dem Bundeskabinett einen 30-Jahres-Plan vor. Ab 1985 sollte die Bundespost in jedem Jahr ein Dreißigstel des Bundesgebiets mit Glasfaser verkabeln. „Für den Ausbau ist bei einem jährlichen Investitionsvolumen von drei Milliarden Mark ein Zeitraum von 30 Jahren zu veranschlagen“, erklärte der Postminister damals. Bereits im Jahr 2015 wäre Westdeutschland demnach komplett mit Glasfaser versorgt gewesen.

Die damals gehegte Hoffnung, dass Deutschland Schrittmacher beim Einsatz von Glasfaser wird, erfüllte sich allerdings nicht. Nach seinem Wahlsieg 1983 stoppte Schmidts Nachfolger Helmut Kohl das Projekt und startete stattdessen den Bau von TV-Kabelnetzen. Heute gehört Deutschland mit gerade mal 2,7 Millionen Haushalten, die direkt an Glasfasernetze angeschlossen sind, zu den Schlusslichtern unter den Industrieländern.

Die weiteren Mitglieder der Weißen Rose

kassandra polis

Christoph Probst, Alexander Schmorell, Willi Graf und Kurt Huber werden hingerichtet, die Ulmer Schüler Franz Müller sowie Suse und Hans Hirzel zu Haftstrafen verurteilt.

Christoph Probst (1919-1943, auf dem großen Foto rechts) lernt früh die Bedrohung durch den Nationalsozialismus kennen: Seine Stiefmutter ist Jüdin. 1939 beginnt er, Medizin zu studieren; über den Schulfreund Schmorell trifft er Scholl und Graf. Die drei versuchen, den Vater dreier kleiner Kinder von den gefährlichen Aktionen rauszuhalten. Scholl hat bei seiner Verhaftung allerdings einen Flugblattentwurf dabei, der auf Probst hinweist. Er wird wie die Scholls am 22. Februar 1943 hingerichtet.

Alexander Schmorell (1917-1943), Medizinstudent wie Scholl, lernt den Ulmer 1941 in der Studentenkompanie kennen. Die beiden sind Brüder im Geiste. Sie verfassen die ersten vier Flugblätter der Weißen Rose; gemeinsam mit Scholl und Willi Graf schrieb er Parolen wie „Nieder mit Hitler!“ an öffentliche Gebäude. Der Volksgerichtshof verurteilt Schmorell im zweiten Weiße Rose-Prozess gemeinsam mit Graf und Huber am 19. April 1943 zum Tode, am 13. Juli 1943 wird Schmorell hingerichtet.

Willi Graf (1918-1943) lernt Scholl und Schmorell bei der „Front-Famulatur“ in der Sowjetunion kennen. Nachdem er von deren Flugblattaktionen erfahren hat, schließt er sich, der seit seiner Jugend Gegner des Nationalsozialismus ist, dem Widerstand im Dezember 1942 an. Nach dem Todesurteil vom 19. April 1943 wird er sechs Monate lang von der Gestapo verhört, doch er verrät keine Namen. Am 12. Oktober 1943 wird Graf durch das Fallbeil hingerichtet. Er wird wie Schmorell 25 Jahre alt.

Kurt Huber (1893-1943) ist zwar seit 1940 NSDAP-Mitglied, unter dem Eindruck von Gräueltaten, die Studenten nach der Rückkehr aus Polen und Russland ihm berichten, schließt sich der Philosophie-Professor und Musikwissenschaftler Mitte 1942 der Weißen Rose an. Nach der Niederlage in Stalingrad formuliert Huber das letzte, das sechste Flugblatt. Er stirbt in Stadelheim am selben Tag wie Schmorell durch das Fallbeil. Huber wird 49 Jahre alt, er hinterlässt eine Frau und zwei Kinder.

Franz Müller, Susanne und Hans Hirzel sowie Heinrich Guter, allesamt Ulmer Abiturienten, unterstützen die Weiße Rose. Hans Hirzel (1924-2006), der mit Hans Scholl bekannt ist, erhält Anfang 1943 von Sophie Scholl 2500 Exemplare des fünften Flugblatts – doch wohin damit? In die Orgelempore der Martin-­Luther-Kirche. Weil er regelmäßig auf der Walcker-Orgel übt, hat er einen Schlüssel. Dorthin zieht er sich mit seinem Schulfreund Franz Müller (1924-2015) zurück. Dieser beschafft Briefmarken und Umschlägen, dann sitzen sie in der Pfeifenkammer, beschriften Kuverts und stecken die Blätter in Umschläge. Suse Hirzel (1921-2012) wirft die Briefe nachts in öffentliche Briefkästen.Heinrich Guter (1925-2015) weiß von den Aktivitäten, ist aber nicht aktiv beteiligt. Weil er die Freunde nicht verpfiffen hat, wird er im April 1943 zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt. Suse Hirzel wird zu einem halben Jahr, ihr Bruder Hans und Franz Müller werden zu fünf Jahren Haft verurteilt.

Quelle: SWP – Rudi Kübler