ZITAT DES TAGES
Heidanei!
Ivo Gönner
Der Ulmer OB zum Umstand, dass Georgios Giannopoulos zum dritten Male als Nachrücker Stadtrat wird.
ZITAT DES TAGES
Heidanei!
Ivo Gönner
Der Ulmer OB zum Umstand, dass Georgios Giannopoulos zum dritten Male als Nachrücker Stadtrat wird.
Was es nicht alles gibt in der Kommunalpolitik. Wenn auch nicht alle Tage. Nicht alltäglich ist jedenfalls, dass einer bei Kommunalwahlen gleich dreimal haarscharf am Mandat vorbeischrammt – und dann im Laufe einer Legislatur doch Stadtrat wird. Als Nachrücker.

Das Vierteldutzend an Nachrücker-Akten vollgemacht hat Georgios Giannopoulos. Er nimmt fortan am Ratstisch den Platz von Malika Mangold ein. Sie, frisch verheiratet, verändert sich beruflich, zieht dorthin, wo sie vor Jahren hergekommen ist: nach Laupheim. Was den gebürtigen Laupheimer Ivo Gönner zur Bemerkung veranlasste, dies sei nun „nicht das Schlimmste auf der Welt“. Um so weniger als Laupheim am 1. Januar zur Großen Kreisstadt erhoben werde.
Andererseits müsse er als Ulmer OB schon hinzufügen: „Sie wird es noch bereuen.“ Gönners Empfehlung: Die Scheidende möge die ihr zum Dank und zur Erinnerung vermachte Zeichnung des Rathauses im neuen Heim so aufhängen, „dass Du jeden Tag dran vorbeiläuft und Dir sagst: Mensch, dahin werde ich hoffentlich bald zurückkehren“.
Das vertraute Du verrät, dass es sich bei der Ex-Jungstadträtin, die den schweren Beruf einer Krankenschwester auf der Intensivstation ausübt, wie bei Gönner um ein SPD-Mitglied handelt. Und Genossen sind nun mal per Du.
Das ist der OB abseits der Förmlichkeit einer Verpflichtung, wie die Amtseinsetzung heißt, auch mit Giannopoulos. Ihn vereidigte Gönner bereits zum dritten Male. 2002 war er keinem Geringeren gefolgt als den langjährigen Stadtrat und Gönner-Vertrauten Hans-Jörg Derra. Der Jurist hatte sein Mandat damals aus beruflichen Gründen niedergelegt. Bei Derra schließt sich ein kleiner Kreis, denn Gönner wird, wenn er ab März 2016 nicht mehr OB ist, als Strafrechtler in die Kanzlei des alten Weggefährten eintreten.
In den Gemeinderat eingetreten ist damals Giannopoulos – wie dann ein weiteres Mal 2008 für Marion Garni. Seinerzeit war er als Grieche der erste EU-Ausländer im Ulmer Gemeinderat. Inzwischen hat der in Blaubeuren geborene Physiker und Informatiker auch die deutsche Staatsbürgerschaft. Und, wenn man so will, das Diplom zum Nachrücken. Der Deutsch-Grieche war im Mai 2014 mit knapp 10.000 Stimmen auf Platz neun der SPD-Liste gelandet. Vom achten, der für den Direkteinzug gelangt hätte, hatte ihn die verdrängt, für die er nun nachrückt. Verrückt mitunter, diese Lokalpolitik.
Die griechische Schuldenkrise und die Verhandlungen mit EU, EZB und Internationalem Währungsfonds verfolgte Georgios Giannopoulos jahrelang eher entspannt. Der Vorsitzende der griechischen Gemeinde und ehemalige Stadtrat war zuversichtlich, dass sich eine Lösung finden würde. Bis Samstag. Nach dem Scheitern der Gespräche sagt er: „Zum ersten Mal bin ich in Sorge um Griechenland.“
Giannopoulos hat viele Verwandte in Griechenland, und was sich in den vergangenen Tagen dort abgespielt hat, „das ist für mich erschreckend“. Schlangen vor den Geldautomaten, Hamsterkäufe – „die Menschen haben kein Vertrauen mehr, sie haben Angst vor dem, was am Montag passiert“. Gewiss hätten die griechischen Regierungen das Land in diese Situation hineinmanövriert. Dennoch müsse man beide Seiten sehen, findet Giannopoulos. Dass Tsipras die Bevölkerung abstimmen lassen will, hält er für richtig – „aber der Zeitpunkt ist äußerst unglücklich“. Er hofft, dass die „europäische Idee“ weiterlebt, zu der gehöre auch eine gemeinsame Währung.
Nikolaos Sapunas hofft immer noch, dass sich die beiden Seiten „auf den letzten Drücker“ einigen können – zum Wohle der griechischen Bevölkerung. „Fällt Griechenland aus dem Euro, dann wird alles noch viel schlimmer“, prophezeit der Wirt der „Neuen Welt“. Dass vom Referendum, das die Regierung Tsipras ins Spiel gebracht hat, ein klares Signal ausgeht, bezweifelt er: Die Griechen seien in dieser Frage in zwei Hälften gespalten. Er selber ist das übrigens auch: „Als Europäer würde ich den Grexit bedauern, als Grieche nicht.“
Auch Konstantinos Kontzinos wirbt um Verständnis. Zwei Geschwister und viele weitere Verwandte des ehemaligen Stadtrats leben in Griechenland. Aus erster Hand weiß er: „Die ganze finanzielle Hilfe kam nicht bei den Griechen an. Sie spüren nicht, was sie der EU alles verdanken.“ Ihre Pensionen und Gehälter sinken, so sie denn noch Jobs haben, die Preise steigen. Ein Beispiel: Ein deutscher Discounter verkaufe in Griechenland abgefülltes Wasser dort doppelt so teuer wie in Deutschland. Kontzinos setzt weiter auf ein gemeinsames Europa mit gemeinsamer Währung: „Ohne Euro wäre es noch schwieriger.“ Das Land habe nur mit Förderprogrammen für die Wirtschaft eine Chance, „sonst kommt es nicht auf die Beine“.
Niko Chidiroglou, 67, seit 50 Jahren in Ulm und 40 davon als Gastronom, schimpft auf die jahrzehntelang falsche Politik in Griechenland. Lange wurde die Politik maßgeblich von fünf Parteien bestimmt. Die zwei großen Parteien Neue Demokratie und Panhellenische Sozialistische Bewegung (PA.SO.K.) banden dabei die Mehrzahl der Wählerschaft. „Die haben uns verarscht, und dann hatten die Griechen die Schnauze voll und haben die Linken gewählt.“ Zum Referendum sagt Chidiroglou: Gestern habe er sich mit Griechen getroffen, aber die Volksabstimmung sei kein Thema gewesen. Er selbst sei Optimist und werde bis zum letzten Moment hoffen, dass das Land nicht bankrott geht. „Das gibt Verlängerung, und in der 93. Minute schießt Griechenland ein Tor.“
Ivo Gönner hat heute abend erklärt, dass er nicht für eine weitere Amtszeit antritt. Nach 24 Jahren als Oberbürgermeister wird er am 1. März die Amtskette weiterreichen. Seine Entscheidung, nicht für eine vierte Wahlperiode anzutreten, verdient großen Respekt. In fast einem Vierteljahrhundert hat Ivo Gönner diese Stadt geprägt wie wohl kaum ein OB vor ihm. Der Sozialdemokrat Gönner hat ein Klima des Dialogs in der Stadt geschaffen und vor allem auch in schwierigen Zeiten den Konsens aller politischen und gesellschaftlichen Kräfte hergestellt. Seine offene Art, sich persönlich um die großen und kleinen Anliegen der Bürgerinnen und Bürger in der Stadt zu kümmern, machten ihn zu einem respektierten und sehr beliebten Stadtoberhaupt. Sein Engagement für kommunale Belange hat den Politiker Ivo Gönner weit über Ulm hinaus
bekannt gemacht und stellt ihn in die Reihe hochverdienter Oberbürgermeister wie Hans-Jochen Vogel, Herbert Schmalstieg oder Christian Ude.
Seit 43 Jahren ist Ivo Gönner Mitglied der Ulmer SPD, von 1980 bis zu seiner Wahl zum Oberbürgermeister war er Stadtrat, davon sieben Jahre Fraktionsvorsitzender. Die Stadt Ulm hat ihm viel zu verdanken. Wir ziehen den Hut vor seiner Lebensleistung und sagen: Danke, Ivo, für 24 tolle Jahre!